Lost Place Bochum – Urbane Streifzüge II

Lost Palce fotografiert von Fotostudio Witten - Kristina Bruns

Das Gelände dieses Lost Place ist verwildert, als ich das große Eisentor quitschend bewege, um meine Füße, auf dieses lange nicht mehr betretene Gelände zu setzen. Wild wuchern hier Brennnesseln und Kamille. Aus den Fugen der Bodenplatten wachsen winzige Birken und der Wind spielt mit den Blättern der umstehenden Bäume. Die Sonne brennt auf den Aspahlt vor dem Gebäude, ganz schön heiss hier draussen. Beim Öffnen der spinnenwebenverhängten Tür, schlägt mir kühle, modrige Luft entgegen. Der lange Leerstand  macht sich am staubbedeckten Boden und abblätternder Wandfarbe bemerkbar. Hier und da flüchten Spinnen vor meinen Schritten. Das schummrige Licht im Erdgeschoss, lässt den Raum schrumpfen, obwohl ich gerade eine große Halle betrete. Nachdem ich hier jede Ecke inspiziert habe, mache ich mich ins obere Stockwerk auf. Die tote Eule fasziniert mich eine Weile, sie passt in eine alte Fotoserie von mir: „Die Art und Weise“. Das Bild der Eule würde in dieser Serie wohl den Titel „Fenster“ tragen. Doch ich schweife ab. Weiter hinten steht Regenwasser im Flur, welches durch eine Luke zum Dachboden in dieses Stockwerk tropft. Den Raum hinter der Wasserlache betrete ich nur kurz. Hier zieren Moos und Schimmel die Wände. Der Boden knackt. Besser ich trete den Rückzug an.

Wieder auf dem Hof bin ich angefixt vom Gefühl, dass solche Orte bei mir verursachen. Ich probiere die nächste Tür. Weiße Spinnen, welche bereits das zeitliche gesegnte hat, hängen von der Decke. Offensichtlich Waschräume oder etwas in der Art. Nächste Tür. Eine riesige Halle erstreckt sich vor mir. Meine Schritte klingeln dumpf im Halbdunkel. Mich interessiert was die Tür zu meiner Linken verbirgt. Nur schwer lässt Sie sich öffnen, doch der Akt lohnt. Hinter der Tür erstreckt sich rechts ein langer Raum, links findet sich eine kleine Kammer. Der lange Raum war wohl mal ein Labor, davon zeugen die gefliesten Ablagen, herumliegende Handschuhe, Schläuche und Flaschen. In der Kammer befinden sich noch Kanister und eine alte Blechtruhe. Das alte Drehscheibentelefon würde ich am liebsten mitnehmen…doch: Lass nichts zurück ausser Fußspuren, nimm nichts mit ausser Fotos.

Wieder draussen geniesse ich die Sonnenstrahlen der bereits untergehenden Sonne. Wie immer an solchen Orten habe ich die Zeit vergessen. Es war spannend, vielleicht komme ich nochmal wieder.

Und nun noch ein kleiner aber nötiger Hinweis am Rande:

Ein Lost Place zu betreten ist verboten. Es handelt sich bei leerstehnden Gebäuden um Privatgrundstücke. Bei betreten eines solchen Grundstücks sollte man sich dessen bewusst sein und auch darüber im klaren, das dort jeglicher Versicherungsschutz hinfällig ist. Oft stehen solche Gebäude schon lange leer, daher ist Vorsicht geboten. Böden können morsch sein und ihrer Traglast nicht mehr gerecht werden. Deswegen bei jedem Schritt Augen und Ohren auf. Jeder ist an einem Lost Place für sich selbst verantwortlich und sollte sich stehts über das Verbot und die Gefahr im klaren sein.

Nichts desto trotz – diese Orte werden mich immer faszinieren. Sie strahlen neben der Vergänglichkeit des Seins, eine unglaubliche Ruhe aus und entführen einen in längst vergangene Zeiten. Happy Urban Exploring.

— Veröffentlicht am 15. August 2015 at 12:11