Ameisensache

Ameisensicht fotografiert von Paulina

Das fotografische Thema „Ameisensicht“ – wer kennt es nicht. Ausgelutscht wie ausgearbeitet. Ein jeder Fotograf in der Ausbildung hat wahrscheinlich schon einmal mit dieser Vorgabe arbeiten und kämpfen müssen und den Praktikanten hier im Fotostudio Witten bleibt nichts erspart: hier kommt meine Fotoreihe „Ameisensicht“.

Da ich mich nicht mit dem Standard zufrieden gebe aber gleichzeitig durch das Thema limitiert bin, versuche ich Ihnen heute die Geschichte einer Ameise (oder beliebigen anderen winzigen Kreatur) in der Großstadt zu erzählen – ich gebe mein bestes.

(bitte beliebigen Namen hier einfügen) wohnt mit seiner Familie auf dem Land. Alles passt: es ist friedlich, wenig Verkehr, wenige Gefahren, die ihm erst bewusst werden, als er die große Stadt zum ersten Mal kennenlernt. Somit macht sich (schon einen Namen gefunden?) auf den Weg, um seine versnobten Verwandten im riesigen Witten zu besuchen – mit fatalen Folgen.

Am frühen Mittag mach sich Heribert (zu spät, jetzt steht der Name fest) auf, um zum ersten Mal durch die Straßen zu schlendern und verlässt den sicheren Stängel der Pusteblume, an dem sich seine Verwandten sonnen. Ohne besonderes Ziel im Kopf wandert er die Straße entlang und begegnet den ersten Überraschungen. Überall lag so viel Geröll auf seinem Weg und die Wände wären schwarz und hart. Hatte er Zuhause überhaupt Wände? In einer düsteren Ecke lag Müll – so etwas war ihm nun wirklich noch nicht passiert. Er kletterte weiter und lief an noch mehr Wänden vorbei. Was da wohl braunes runterlief? Er wollte es gar nicht wissen. Sein Spaziergang leitete ihn von einem Schrecken zum nächsten. Heribert (mir egal, ob der Name unpassend ist) blickte in die Abgründe einer ganzen Deponie aus Müll, sprang über eine spitze Schlucht und wurde fast von einem Giganten überrollt, bei dem er bis heute nicht weiß, was es war. Nach so viel Adrenalin flüchtet sich Heribert der Winzling auf eine ihm bekannte und sichere Blumenlandschaft, wo er ein paar nette Einwohner traf, die ihm das Leben in der Stadt ein wenig zugänglicher machten.

Ich denke Sie erkennen nun das Muster dieser Geschichte und ahnen, wie sie weiter geht. Falls Sie die Geschichte wirklich noch weiter lesen möchten, kommen Sie im Studio vorbei und fragen gerne nach – nebenbei können Sie natürlich auch noch einen Termin für Fotos vereinbaren.

Ich hoffe, Sie konnten ein wenig schmunzeln und schauen auch beim nächsten Eintrag vorbei.

 

 

— Veröffentlicht am 31. August 2017 at 13:51